Information der Verbände
FMF - VdF - DSV - FN - DaF/IDV
über die beabsichtigte
Gründung eines Gesamtverbandes Fremdsprachen
Der
Fachverband Moderne Fremdsprachen (FMF),
die Vereinigung der Französischlehrer und Französischlehrerinnen (VdF),
die Fachvereinigung Niederländisch (FN),
der Deutsche Spanischlehrerverband (DSV)und
die Fachgruppe Deutsch als Fremdsprache (DaF)
gründen gemeinsam als gleichberechtigte Partner einen neuen Verband. Nachfolgend werden sie Sektionen genannt. Der Gesamtverband steht weiteren monolingualen Verbänden offen.
Warum ist ein Gesamtverband notwendig?
Der Sprachenunterricht insgesamt ist auf den Prüfstand gestellt worden, vor allem in der Folge des Europäischen Jahrs der Sprachen 2001. Allenthalben werden Vorschläge für seine Veränderung und Weiterentwicklung gemacht.
Wichtige fachliche und bildungspolitische Entscheidungen, auf Landesebene und im Rahmen der Kultusministerkonferenz, werden ohne Beteiligung der Fachverbände getroffen, obwohl sie den Berufsalltag und die Tätigkeit der Fremdsprachenlehrer unmittelbar berühren. In letzter Zeit sind zunehmend mehr Entscheidungen im Bildungsbereich von den Ländern auf den Bund übergegangen.
Auf keiner dieser Ebenen gibt es eine starke und effektive Lobby, die die Interessen der Fremdsprachen und ihrer Lehrkräfte effektiv gegenüber den Entscheidungsträgern in den Länderkultusministerien, den Bildungsausschüssen der Länderparlamente und im Bund vertritt. Das betrifft nicht nur die Inhalte der Lehrerausbildung in der ersten und zweiten Phase, sondern auch die Struktur und Dauer des Fremdsprachenunterrichts, die Zielvorgaben und Inhalte von Unterrichtsangeboten, Vermittlungsmethoden und die Bedingungen, die für den konkreten Unterricht im Klassenzimmer Geltung haben.
Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, gemeinsam eine starke Vertretung zu bilden, die sich in sprachen- und bildungspolitischen Entscheidungen auf den verschiedenen politischen und administrativen Ebenen zu Wort meldet und ihre Sachkompetenz und Erfahrung in die Entscheidungsprozesse einbringt.
Was wird nach dem Zusammenschluss aus den einzelnen Verbänden?
Die genannten Verbände bringen ihre Identität in den neuen Verband ein; sie bleiben weiter-hin Ansprechpartner für die Mitglieder, deren Sprachen sie vertreten. Die Sektionen Französisch, Spanisch, Niederländisch sind die Fortsetzung der vormaligen Einzelverbände. Weitere Sektionen können sich in dem Maße bilden, wie Verbände sich in der Folgezeit dem Gesamtverband anschließen wollen.
Mitglieder des Fachverbandes Moderne Fremdsprachen (FMF), die die genannten Sprachen vertreten, ordnen sich diesen Sektionen zu. Das bedeutet eine zahlenmäßige Stärkung dieser Sektionen der vormals monolingualen Verbände.
Wird es weitere Sektionen geben?
Neben den genannten Sektionen bilden die Anglisten, bisher Mitglieder des Fachverbandes Moderne Fremdsprachen, ebenfalls eine Sektion. Das gleiche gilt für die FMF-Mitglieder, die die slawischen Sprachen oder Italienisch vertreten.
Alle im neuen Verband vertretenen Sprachen sind gleichberechtigt. Das bedeutet, dass Mitglieder aus allen Sektionen in alle Ämter des neuen Gesamtverbandes auf Landesebene und Bundesebene gewählt werden können.
Es können sich sektionsübergreifende Interessengruppen bilden, die Tätigkeitsfelder oder bestimmte Bereiche im Bildungssystem vertreten (z. B. berufsbildender Bereich, universitärer Bereich, Erwachsenenbildung, firmengebundener Sprachunterricht etc.).
Bleiben die Landesverbände weiterhin bestehen?
Tradition und Zweckmäßigkeit machen es notwendig, die Institution der Landesverbände zu erhalten und nach Möglichkeit zu stärken. Mitglieder identifizieren sich mit dem neuen Gesamtverband zum einen über die Sprache (Sektionszugehörigkeit), zum anderen über ihren Landesverband, der den Auftrag hat, ihre Interessen und Anliegen gegenüber ihrem Landes-kultusministerium und der für sie zuständigen Schulaufsicht zu vertreten. Die Arbeit der Landesverbände ist vor allem im Interesse der Mehrsprachigkeit unverzichtbar.
Wie wird sichergestellt, dass auch in Zukunft Mehrsprachigkeit Grundprinzip der Verbandsarbeit ist?
Der Gesamtverband Fremdsprachen wird vorrangig dem Ziel verpflichtet sein, die Mehrsprachigkeit im Sinne europäischer und nationaler Beschlüsse zu fördern und voranzutreiben. Dieses Ziel wird im neuen Verband oberste Richtschnur der Verbandsarbeit sein. Dabei kann auf bereits etablierten Traditionen aufgebaut werden: in den meisten Landesverbänden des FMF ist die Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden bereits erprobte Realität. Der neue Gesamtverband ermöglicht erst recht die Stärkung des Prinzips der Mehrsprachigkeit und stärkt die Zusammenarbeit der Vertreter der verschiedenen Sprachen auf allen Ebenen sowohl in den Ländern als auch auf der Ebene des Bundes.
Alle Sprachen sind darauf angewiesen, ein auf Gegenseitigkeit hin orientiertes fruchtbares Verhältnis zu entwickeln im Sinne der von der Europäischen Union und vom Europarat geforderten Mehrsprachigkeit für European Citizenship/Citoyenneté Europénne. Die Vertreter des Englischen sind sich der Verantwortung für die Entwicklung der Mehrsprachigkeit europäischer Bürger bewusst; sie haben die Verpflichtung, zur Sicherung der Mehrsprachigkeit durch eine entsprechend erweiterte Didaktik und Methodik des Englischen beizutragen.
Wie ist die Mitgliedschaft im neuen Verband zu charakterisieren?
Der Gesamtverband vertritt die Anliegen und Interessen aller Sprachen gegenüber den Entscheidungsträgern.
Die Mitgliedschaft im neuen Gesamtverband impliziert die Zugehörigkeit zu mindestens einer Sektion. Mitglieder ordnen sich selber ihrer Sektion zu, d .h. der Sektion, die ihren Bedürfnissen und Erwartungen entspricht. Die Zugehörigkeit zu mehreren Sektionen ist möglich; sie wird befürwortet.
Die einheitliche Mitgliedschaft stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit und fördert die Identifikation mit dem Gesamtverband.
Was beinhaltet die Mitgliedschaft?
Die Mitgliedschaft im Gesamtverband bedeutet, dass es nur einen Beitrag für alle Mitglieder gibt mit den üblichen Staffelungen für Studenten, Referendare und Pensionäre. Die Höhe des Beitrags richtet sich nach den Kosten und den Leistungen, die der Gesamtverband für seine Mitglieder erbringen soll. Über die Höhe des Beitrags entscheidet die Vertretung der Mitglieder.
Der Beitrag beinhaltet neben den allgemeinen Leistungen des Verbandes den Bezug der sprachenübergreifenden wissenschaftlichen Zeitschrift des Gesamtverbandes, die Verbandsmit-teilungen sowie den Bezug der Publikation der gewählten Sektion. Publikationen anderer Sektionen können gegen einen entsprechenden Preis abonniert werden.
Welche Aufgaben soll der Gesamtverband wahrnehmen?
Die Aufgaben und Aktivitäten des Gesamtverbandes beziehen sich auf alle im Verband vertretenen Sprachen; sie sind nicht sprachenspezifisch ausgerichtet. Im einzelnen wird der Gesamtverband
- sich als Ansprechpartner für alle sprachenpolitischen Entscheidungen auf Bundes- und Landesebene etablieren und sich zu Wort melden (z. B. bei Themen wie Sprachenfolge, Mehrsprachigkeit, Sprachengeneralplan, Stundentafeln etc.), die sprachenpolitischen Interessen aller Sprachen im Bund wie in den Ländern vertreten;
- sprachenpolitische Entwicklungen in Deutschland, aber auch im Europarat und in der Europäischen Union beobachten;
- mit allen Stellen, Organisationen, Institutionen, Persönlichkeiten kritisch zusammenarbeiten, die sich der Vermittlung von Sprachen verpflichtet fühlen;
- die wissenschaftliche Erforschung des Sprachenerwerbs und der Sprachenvermittlung unterstützen;
- alternative und innovative Modelle für die Ausbildung in der ersten und zweiten Phase für Lehrkräfte aller Schulformen und Schulstufen entwickeln;
- Konzeptionen für die Erweiterung und Anpassung des Fremdsprachenunterrichts an sich wandelnde Anforderungen an das Sprachkönnen zukünftiger Europa-Bürger erarbeiten;
- innovative Konzeptionen für den schulbezogene Fremdsprachenunterricht vorlegen (z.B. für die Vermittlung von Sprache als Prozess, für die Stärkung der Mündlichkeit, die Schulung der schriftlichen Kompetenz, der Vermittlung interkultureller Kompetenz, für den bilingualen Unterricht, für Curricula für Langzeit-/Kurzzeitlehrgänge etc.);
- sich um die Gestaltung angstfreier Übergänge zwischen Schulstufen und Schulformen , besonders zwischen der Primarstufe und der Sekundarstufe I bemühen;
- Curricula für die Erstausbildung von Fremdsprachenlehrer und Fremdsprachenlehrerinnen erarbeiten; sich mit spezifischen stufen- und schulformbezogenen Themen der Lehrerbildung auseinandersetzen;
- kooperative Kontakte zu Sprachlehrerverbänden in Europas und Übersee unterhalten;
- mit Vertretern und Institutionen der Erwachsenenbildung sowie mit Vertretern von betrieblichem Sprachenunterricht kooperieren; sich als Mittler zwischen schulischem Fremdsprachenunterricht und Sprachenunterricht in Betrieben und Unternehmen verstehen;
- sprachenpolitische und zweitsprachenspezifische Konsequenzen der Zuwanderung thematisieren;
- an der Konkretisierung von Lernenden Regionen aktiv teilnehmen;
- Planung und Durchführung von Fortbildung von Fremdsprachenlehrkräften - bundesweit, regional, lokal - planen und durchführen, Unterstützungsmaßnahmen für Fremdsprachenlehrer auf allen Ebenen organisieren;
- die didaktische und methodische Zusammenarbeit unter den Vertretern der verschiedenen Fremdsprachen fördern;
- zu Schulministerien der Bundesländer Kontakt halten;
- alle Aktivitäten zum Nutzen des Sprachenunterrichts durch geeignete Materialien unterstützend begleiten;
- mit Verlagen zusammenarbeiten, bei der Erstellung von Unterrichtsmaterialien beratend tätig sein, Vorschläge und Konzeptionen für die Erstellung von Unterrichtsmaterialien anbieten;
- intensive Pressearbeit betreiben, um Anliegen und Bedeutung des Fremdsprachenunterrichts in eine breite Öffentlichkeit zu transportieren.
Welche Publikationen wird es geben?
Die eingeführten Zeitschriften werden von den Sektionen in eigener Verantwortung fortgeführt. Weitere Sektionszeitschriften sind möglich entsprechend der Gründung neuer Sektionen.
Als Publikation des Gesamtverbandes wird eine sprachenübergreifende wissenschaftliche Zeitschrift herausgegeben, die Grundsatzfragen des Fremdsprachenlernens und - lehrens behandelt. Für sie ist die Neuauflage des Namens Die Neueren Sprachen (DNS) vorgesehen. Die sprachenübergreifende Zeitschrift erhält jedes Mitglied als Gegenleistung für den gezahlten Beitrag, zusammen mit der Publikation der Sektion, für die er sich entschieden hat.
Jedes Mitglied erhält ein Mitteilungsblatt, das vorwiegend der Information über sprachen- und bildungspolitische Themen, über Entwicklungen und Entscheidungen in den Ländern und im Bund, über die Bildungspolitik der Parteien dient und über Aktivitäten des Verbandes und verbandsinterne Fragen berichtet.
Wie ist der Bundesvorstand organisiert, wie die Landesverbände?
Bei der Zusammensetzung des Bundesvorstandes ist dafür Sorge zu tragen, dass die Interessen der im Verband vertretenen Sprachen und der Landesverbände angemessen repräsentiert sind. Gleichzeitig müssen Effektivität, Handlungsfähigkeit und die Beachtung der Kosten-Nutzenrelation für die Struktur der Leitungsgremien maßgebend sein. Mindestens einmal im Jahr ist eine Plenarsitzung des Bundesvorstandes durchzuführen.
Für den engeren Vorstand (Präsidium/Geschäftsführender Vorstand) gilt das Rotationsprinzip, weil die Arbeit im engeren Vorstand des Gesamtverbandes wegen der Belastung nur für eine begrenzte Zeit zumutbar ist. Ausscheidende Mitglieder aus dem engeren Vorstand werden in anderen Funktionen dem Verband erhalten bleiben.
Das Rotationsprinzip kann sich prinzipiell auch für die Vorstände der Landesverbände als hilfreich und nützlich erweisen, um jüngere Mitglieder an die Arbeit im Verband heranzuführen. Es ist aber nicht zwingend vorgesehen.
Wie wird die Arbeit im Bundesvorstand und das Verhältnis zwischen Bundesvorstand und den Landesverbänden geregelt?
Die Satzung des neuen Gesamtverbandes wird seinen Strukturrahmen beschreiben. Sie wird im einzelnen Grundsatzfragen wie die Rechte der Mitglieder benennen, die Funktionsstellen und deren Aufgabenfelder beschreiben sowie die Beziehungen zwischen den verschiedenen Verbandsebenen regeln und die Grundsätze für die Haushaltsführung festlegen.
Einzelheiten der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Verbandsebenen, d. h. zwischen den Sektionen, den Landesverbänden und der Bundesebene, und der Einzelheiten der Verwaltung der Verbandsgelder wird eine Geschäftsordnung regeln.
Wie soll die Verwaltungsarbeit des neuen Gesamtverbandes bewältigt werden?
Angesichts der Größe des angestrebten Gesamtverbandes ist eine Geschäftsstelle unabdingbar. Ihre Aufgaben - im einzelnen durch die Geschäftsordnung festzulegen - betreffen u. a. die Bereiche Mitgliederverwaltung, Beitragseinzug und Buchführung, Sitzungsvorbereitung, Aufbereitung von Materialien zur Sprachenpolitik sowie begleitende Betreuung von Fachgruppen.
Kassel, den 9. November 2002
Konrad Schröder
für den FMF
Franz-Joseph Meißner
für die VdF
Jürgen Sander
für den DSV
Paul-Wolfgang Jaegers
für die FNL
Hermann Funk
für DaF/IDV